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The Orville – Feuersturm | Review deutsch – Alaras Kobayashi Maru

Feuersturm ist die zweite Episode, in der es um die Persönlichkeitsentwicklung von Alara Kitan geht. Diesmal aber komplett auf sie zentriert. Es gibt zwar zuerst scheinbar eine Mission und ein von äußeren Umständen her rührendes Problem, aber wie sich herausstellt, geht es die ganze Zeit um Sie. Die Entwicklung und Profilierung der Hauptfiguren kommt in The Orville wirklich nicht zu kurz. Vor allem für Alara nicht.

Damit Ihr Weg seinen Lauf nimmt, muss aber zuerst jemand sterben. Die Orville befindet sich in einem Plasmasturm. Und das ist vermutlich zunächst der Feuersturm, der der Episode ihren Titel gibt. Das ist scheinbar erst einmal das Gleiche wie bei „Falte im Weltraum“ – der Episodentitel sagt einem, welches astronomische Phänomen die Handlung anstößt, aber nicht, was dann eigentlich passiert. Feuersturm hat aber, wie sich später herausstellt, schließlich doch noch eine weitere Bedeutung wegen Alaras Angst vor dem Feuer.

Während sich die Orville in diesem Feuersturm befindet sieht man wie Gordon selbst in kritischen Situationen seinen Humor nicht verliert. Ihn erinnert der Sturm an einen Bildschirmschoner. Das ist das, was er allen mitteilen muss, während sich die gesamte Besatzung gerade in Lebensgefahr befindet. Es handelt sich dabei um eine gesunde Form von Stressbewältigung die helfen kann dass man auch in gefährlichen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt. Lieutenant Malloy ist ein Meister darin.

Alara Kitan in The Orville, Feuersturm
Alara kann Lt. Pain nicht retten

Die Quantenphaseninduktoren des oberen Triebwerkes fallen durch einen Blitz, der in das Schiff einschlägt, aus, weshalb alle verfügbare Energie zur Stabilisierung in die Eindämmungsregulatoren umgeleitet wird. Daraufhin fällt ein Trümmerteil auf Lieutenant Pain. Alara soll das Trümmerteil aufheben, um ihn zu retten. Weil niemand sonst es hochheben kann. Als sie den Maschinenraum betritt, wird sie zuerst durch eine Explosion aus Feuer und nach einem erfolglosen Rettungsversuch durch den Anblick des toten Lieutenant Pain geschockt.


Zur Betrauerung des Verlustes hält der Captain eine Ansprache. Er sagt, dass viele aus seinem Team den Verlust eines Crewmitglieds bereits erleben mussten. Alara hat es noch nicht erlebt. Definitiv nicht auf diese direkte Weise. In der Grabrede für Lieutenant Pain versucht Chefingenieur Newton die Trauer mit einem Witz über dessen Namen „Pain“ aufzulockern. In Gordons Gesicht sieht man, dass seine Neigung zu so etwas in diesem Moment wie verschwunden ist. Durch die Art wie er sonst drauf ist, wirkt die traurige Szene umso tiefer. Trauer in Lieutenant Malloys Gesicht bedeutet, dass wirklich etwas schlimmes passiert sein muss. Es ist aber nicht die Art von The Orville und natürlich auch nicht die Art von Seth MacFarlane, zugunsten einer einwandfrei traurige Szene jegliches Comedy-Element zu streichen. So wird als nächstes Bortus‘ Gesicht gezeigt, das natürlich exakt den selben Ausdruck hat, wie in nahezu jeder Situation sonst auch. Gefolgt von Alara, die nach der Trauerrede Tränen vergießen muss.

Danach beginnt Alaras Kompensationsphase. Sie hält sich aufgrund der Angst vor dem Feuer selbst für den Tod Pains verantwortlich. Die Schuldgefühle und daraus entstehenden die Wut auf sich selbst will sie abreagieren, indem sie auf einen Boxsack einschlägt. Durch die beiden anderen weiblichen Führungsoffiziere lässt sie sich auch nicht eines besseren belehren. Es scheint fast, als wenn sie sich unbedingt selbst die Schuld geben will.

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Das Boxtraining kann vermutlich nicht fortgeführt werden, da Bortus, Gordon und John den Simulator für ein anderes Programm reserviert haben.

Nachdem es so emotional anfing wird Moral und Anstand jetzt beinahe wieder mit Füßen getreten. Das Problem, welches der Captain aufgrund Pains Tod hat, ist dass er kein passendes Beileidsschreiben für dessen Verwandschaft hinbekommt. Auch Kermit der Frosch, der nach wie vor mit auf seinem Schreibtisch sitzt, kann ihm bei so etwas keine Inspiration schenken. Als Alara ihm mitteilt, dass sie ihren Dienst quittieren will, versucht er etwas von der Inspiration, die vermutlich von Kermit dem Frosch kommt, an Alara weiterzugeben. Das heist, das zu tun, was ein guter Anführer tun muss. Ihr irgendwie Gelassenheit zu vermitteln und sachlich zu erklären, dass es nicht ihr Verschulden war. Aber nicht einmal das ausdrücklichste Lob für ihre Fähigkeiten helfen Alara, diese Kriese zu überwinden.

Alaras nächster Schritt bei der Bewältigung des Problems ist Kontaktaufnahme zu ihren Eltern. Mit denen kann sie aber nicht einer Meinung sein, da sie kulturell bedingt nicht komplett mit der Militärlaufbahn ihrer Tochter einverstanden sind. Letztendlich erfährt sie von ihnen aber, dass sie offenbar eine tief sitzende Phobie vor Feuer haben muss. Der Tipp des Captains, die eigene Psyche zu erforschen wäre damit befolgt und das Problem ist identifiziert. Alara weiß jetzt, was sie an sich ändern muss. Und sie wird diesen Fehler, den Sie in sich selbst sieht, auf krasseste Art und Weise auslöschen.

Der Test beginnt

Wir sind jetzt an dem Punkt angekommen, an dem der neue Zuschauer nicht weiß, dass es sich bei der Handlung ab jetzt um eine Simulation handelt. Ich werde alles so betrachten, wie es in Wirklichkeit abläuft und die Informationen, die man erst am Ende der Episode erhält, bereits jetzt verwenden.

In dieser Episode geht es darum, dass Alara sich selbst einer Prüfung unterzieht, ohne zu wissen, dass es sich um eine Prüfung in Form einer Simulation handelt. Das gelingt ihr, indem sie mit gelöschtem Gedächtnis ein Programm im Simulator beginnt, welches sie erst nach erfolgreichem Absolvieren verlassen kann. Sie hat also genau wie der Zuschauer keine Erinnerung daran, wie sie zusammen mit Isaac das Programm entworfen hat.

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Alara Kitan ist vermutlich zusammen mit Isaac die stärkste Offizierin. Nicht nur von der Kraft her. Auch charakterlich wird ihr abseits der Geschichte zwischen Ed Mercer und Kelly Grayson die meiste Entwicklung zuteil. Während die anderen Charaktere oft – wenn auch teilweise aufgrund ihrer nicht-Menschlichkeit – verhaltensauffällig, sonderbar und fast schon gestört wirken(was auch gut und richtig so ist), gehört Alara zusammen mit der Ärztin zu den Charakteren, die vom Verhalten her eher „Normal“ sind. Und Feuersturm ist ihr ultimatives Kobayashi Maru.

In Star Trek ist der Kobayashi Maru Test ein als Simulation durchgeführter Test für Sternenflottenoffiziere, den man nicht bestehen kann. Er soll einem zeigen, dass man nicht unbesiegbar oder unfehlbar ist und er soll auf ausweglose Situationen vorbereiten. James T. Kirk nimmt bei diesem Test eine Manipulation vor, um ihn doch zu bestehen. Der Begriff Kobayashi Maru wurde immer mehr zu einer Metapher für besonders schwierige, ausweglos scheinende Situationen sowie schwere Prüfungen.

Warum vergleiche ich Feuersturm mit dem Kobayashi-Maru? Alara nimmt ebenso eine Manipulation vor. Allerdings nicht, um ihre selbst auferlegte Prüfung abzuschließen, sondern um sie zu starten bzw. die Prüfung überhaupt erst zu ermöglichen. Sie macht den Test nicht, um sich zu zeigen, dass es Situationen gibt, denen sie nicht gewachsen ist, sondern genau für das Gegenteil. Außerdem geht es darum, Phobien zu bekämpfen, wie ihre Angst vor dem Feuer und noch mögliche weitere Phobien. Ähnlich wie Captain Kirk, der ausweglose Situationen und dass er diese nicht bewältigen könnte nicht akzeptiert, akzeptiert Alara ihre eigenen Schwächen nicht und setzt konsequente, ungewöhnliche und auch fragwürdige Mittel ein um diese auszulöschen. Auch tut sie es entgegen der Regeln der Union. Sie setzt ihre Befugnisse als Sicherheitschef ein, um das Beenden der Simulation systemtechnisch unmöglich zu machen. Eine Befugnis, die normalerweise dafür gedacht ist, sich über den Captain hinwegzusetzen, falls dieser unter fremdem Einfluss steht oder alkoholisiert ist. (Auf diesem Schiff ist letzteres wahrscheinlicher.)

Daraus ergibt sich eine innerhalb der Simulation stattfindende Handlung, die von jetzt an bis zum Ende der Episode weiter läuft. Inhalt sind eine Reihe an merkwürdigen, unerklärlichen und gefährlichen Situationen, die sich die anderen Brückenoffiziere für Alara ausgedacht haben. Allerdings ohne dabei zu wissen, dass sie das Programm nicht beenden können werden um Alara eventuell zu retten.

Gleichzeitig ist das natürlich der Anlass, so viele seltsame Elemente wie möglich in die Episode einzubauen. So wie es in The Orville eben auch sein muss. Es passieren zuerst die harmlosen, eher komischen Dinge bis schließlich scheinbar alle sterben und das ganze Schiff zerstört wird. Ein wager Hinweis dafür, dass es sich jetzt nicht mehr um die Realität handelt, ist dass die Handlung jetzt auf einmal ohne jeden sichtbaren Grund in etwas völlig anderes übergeht. Während die Episode zuerst ganz eindeutig darauf hinauslaufen sollte, dass Alara sich ihrem persönlichen Problem widmet, scheint es jetzt auf einmal um eine Bedrohung von außen oder sonstiges Problem zu gehen.

Clown auf der Orville in der Episode Feuersturm
Ein Clown auf der Orville

Als erstes wird Alara von einem Clown angerempelt, der zuerst einfach nur da steht und dann auf sie zu rennt. Wie ein Kind, das einen Geist gesehen hat und es seinen Eltern oder einem Erwachsenen erzählt, geht sie auf die Brücke um dem Captain zu sagen, dass sie sich in psychiatrische Behandlung begeben will. Alle wollen dann wissen, was der Clown gemacht hat. Es ist sofort Thema. John LaMarr, der sich am besten mit Clowns auskennt, hat eine Clownphobie und bekommt sogar richtig Angst, wenn er nur daran denkt. Von allen Crewmitgliedern führt er sich wegen seiner Phobie am dämlichsten auf.

„Feuerroter Afro, ein Haufen Makeup, riesige Schlappschuhe… und ne scheiß Angst macht er. “ – „Wow, du beschreibst meine Mom.“

John beschreibt einen Clown bzw. Gordons Mutter

Die KI des Schiffes kann Johns Phobie offenbar gut nachstellen. Eventuell beobachtet der Schiffscomputer die Besatzung permanent, um die Persönlichkeiten der Crew in Simulationen optimal wiedergeben zu können. John ist der Einzige, zu dem es passt dass er seine Angst vor Clowns bereits irgendwann einmal auf diese Weise zum Ausdruck gebracht hat. Weshalb der Computer des Schiffes Kenntnis davon hat.

Die Führungsoffiziere müssen jetzt ausrücken, um den Clown zu suchen, weil er nicht über die Scanner zu finden ist.

„Alle Waffen auf Betäubung – wir wollen den Clown lebend. „

Mercer ruft die Clownjagd aus

Allerdings bekommen sie ihn nicht lebend. Alara kämpft im dunklen Frachtraum unter Lebensgefahr gegen den Clown, der ihr dort aufgelauert ist. Egal wohin sie gegangen wäre. Der Clown hätte gemäß des Programmes dort gewartet, da er ja für sie bestimmt ist. Während der Prügelei nimmt sich der Clown Alaras Waffe und stellt sie auf die höchste Stufe, sodass Alara den Clown tötet nachdem sie sich ihre Waffe zurück geholt hat. Dieser Programminhalt dient vermutlich auch dazu, sie erneut mit dem Gefühl zu konfrontieren, wie es ist, für den Tod von jemandem scheinbar verantwortlich zu sein. Außerdem wird ans Tageslicht gebracht, dass es sich um einen extrem starken Clown mit Reißzähnen handelt. Laut Gordons Aussage ein Vampirclown. Was John in Unbehagen versetzt, obwohl der Clown bereits tot ist. Dennoch gibt der Captain Anweisung, sich bis auf weiteres vor noch mehr Clowns in acht zu nehmen.

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Kurz nachdem Kelly und Alara sich zu einem Drink verabreden(Alkohol im Dienst während Alarmstufe Gelb), tritt als nächstes eine unendliche schwarze Leere hinter einer Tür und ein Aligator im Frachtraum auf, der von Bortus zerquetscht wird. Zumindest zeigt das Programm Brortus, wie dieser davon berichtet. Die Schlussfolgerung aus dem ganzen ist, dass ein Hirnscan bei der gesamten Führungsebene durchgeführt werden soll, falls es sich um eine art kollektiven Wahnsinn handelt.

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Anstatt einen Scan durchzuführen will Dr. Finn Alara mit ihren Instrumenten operieren und vermutlich töten. Sie fesselt Alara auf dem Untersuchungstisch und erschießt einen ihrer Mitarbeiter, der Alara befreien wollte. Erst kurz vor dem ersten Schnitt kann sie sich losreißen und die Ärztin gegen die Wand schmeißen.

Doktor Claire Finn ist verrückt
Die erste Wahnsinnige

Claire scheint die erste Wahnsinnige zu sein. Und die Einzige. Da der Hirnscan nicht erfolgen konnte, kann man es ja nicht wissen. Man könnte zu diesem Zeitpunkt noch denken, dass irgendwer oder irgendwas den Hirnscan verhindern wollte, damit niemand dahinter kommt. Es könnte sich z. B. um einen Virus handeln, der Nervenzellen oder Rezeptoren befällt, ein kollektives Bewusstsein besitzt und die Wahrnehmung beeinflussen kann. Der Zuschauer, der nach einer Erklärung sucht, könnte auf so eine Idee kommen. Jedoch vergeblich, denn warum sieht Isaac als anorganische Lebensform die Dinge dann ebenfalls?

„Ich hab Hunger – holt mir jemand eine Pizza?“ – „Was für eine Pizza?“ – „Nein! Sie kriegt keine Pizza!“

Claire, Bortus, Ed

Es ist exakt die selbe Denkweise wie als Bortus auf Gordons Anweisung hin nach Bars und Stripclubs suchte. Bortus hätte ihr die Pizza definitiv gebracht.

Das was Claire in der Zelle von sich gibt wirkt wie als würde das etwas, das für das alles verantwortlich ist, durch sie zur Crew sprechen. Sie spricht von unsichtbaren Schrecken, die in den Weiten des dunklen Weltraumes lauern.

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Es folgt die nächste Besprechung. Der Captain will endlich wissen, was los ist. Isaac erklärt, dass die Scans keinerlei Auskunft geben. Gordon stellt die Theorie auf, dass sie in dem Plasmasturm gestorben, also bereits tot und im Fegefeuer sind. Ed und Kelly sind der Meinung das sich das ungefähr so anfühlen würde, wie als wenn man verheiratet wäre. Auch wenn es wohl kaum Ernst gemeint war, was Gordon gesagt hat, verleiht das, ebenso wie Claire Finns Aussagen, dem Feuersturm bereits ein en mysteriösen Aspekt. Kelly hat außerdem eine ziemlich hirnverbrannte Theorie.

„Das hört sich sicher ziemlich hirnverbrannt an.“ – „Dann sollten sie sich den Kopf kühlen.“

Isaac versteht eine Redewendung nicht

Wir haben hier also eine absolut kritische und komplizierte, unerklärliche Situation. Und die Führungsoffiziere – also die kompetentesten Personen, die sich an Bord des Schiffes befinden – führen eine Diskussion, die das Problem lösen soll. Dabei kommen trotzdem erstmal drei flache Gags bei heraus, die auf den gewohnten Verhaltensweisen der Gesprächsteilnehmer basieren. Wird man sich dieser Tatsache bewusst, so muss man weiterhin noch beachten, dass es sich immer noch um eine Simulation handelt. Der Wiederholungswert dieser Episode wird dadurch drastisch gesteigert. Nicht nur, weil man diese Absurditäten nicht alle auf einmal realisieren kann, sondern auch wegen den Infos die man beim ersten mal Schauen noch nicht hat.

Es werden keine Fragen wirklich geklärt. Die Gesprächsrunde wird durch eine Horde von Spinnen unterbrochen, welche 20 Sekunden später wieder verschwunden sind. Die einzige irgendwie im entferntesten Sinn ergebene Möglichkeit besteht darin, dass der Plasmasturm irgendetwas ausgelöst hat. Es ist nicht genau zu erklären warum, aber der Captain will das Schiff so schnell es geht wieder dorthin zurückbringen. Um weitere Erkenntnisse zu bekommen. Da es jetzt wieder zurück zum Feuersturm vom Anfang geht, glaubt man zunächst auch, dass dort auch tatsächlich die Lösung für das ganze Problem liegt. Auch weil die Episode Feuersturm heißt.

„Oh man, was ist wenn sie Eier in meine Nase gelegt hat und mein Kopf dann von dem Eiersack anschwillt und explodiert und lauter Babyspinnen aus meinem Gehirn raus krabbeln??“

Gordons arachnophobische Befürchtungen

Da das Programm die Aufgabe hat, Alara Angst zu machen, ergibt es Sinn, dass er das zu ihr sagt. Auch wenn eigentlich der Captain und nicht Gordon der Arachnophobiker ist. Er wird dann von einer riesigen Spinne gefressen. Danach rennt die Spinne weg und taucht nicht mehr auf.

Allein im Feuersturm

Jetzt beginnt der Part, an dem Alara komplett auf sich gestellt ist und es bereits naheliegend ist, dass es eigentlich die ganze Zeit nur um sie geht. Nachdem es ein paar anfängliche, wage Erklärungsversuche gab. Im Moment sieht es noch so aus als hätte es irgendetwas mit dem Feuersturm zu tun. Alara läuft bei passender Musik angespannt und auf alles vorbereitet durch die wegen dem Alarm gelb leuchtenden Gänge.

USS Orville im Feuersturm oder Plasmasturm

Das Schiff befindet sich wieder im Feuersturm und niemand von der Besatzung ist mehr aufzufinden oder über das Kommunikationssystem zu erreichen. Nachdem dieses astronomische Phänomen irgendwie zur Lösung des Problems führen sollte, tauchen jetzt aber nur noch mehr Probleme auf. Die Szene wo der Captain Befehl gibt, den Plasmasturm erneut anzusteuern, war die letzte in der die anderen Crewmitglieder innerhalb der Simulation überhaupt noch zu sehen waren.

Orville Brücke im Feuersturm
Die leere Orville im Feuersturm

Die aufregende Musik, die sich nach Finale anhört, erlischt sehr schnell nachdem Alara die komplett unbesetzte Brücke erreicht. Dann schlägt ein Blitz ein und fast das gesamte Licht fällt aus. Das Szenario wird nun düster. Sie geht allein im Dunkeln durch das Schiff. Es wird jetzt mit der Angst gespielt, dass jederzeit sonstwas aus der Dunkelheit auftauchen könnte. Wie z. B. irgendeine Lebensform, die all das zu verantworten hat und sich im Finale schließlich zu erkennen gibt. Oder die dunklen Schrecken von denen Dr. Finn im Wahn gesprochen hat. Jedoch läuft Alara nur durch komplett personenleere, stille und abgedunkelte Räume die nur ab und an von einem Blitz erhellt werden. Es wird auch mit teils unbehaglicher Musik gespielt. Die nicht einmal zwei Minuten der Stille und Dunkelheit in denen kein Wort gesagt wird, sind die besten Momente von Feuersturm.

Eine Erklärung dafür warum niemand mehr da ist könnte jetzt sonstwas sein. Z. B. dass sie sich aufgrund der Strahlung des Plasmasturms aufgelöst haben oder gegenseitig nicht mehr wahrnehmen können. Da der Zuschauer nicht von einer komplett simplen aber gewitzten Erklärung ausgeht, können sich die wildesten Vermutungen bilden. Man muss aber gestehen, dass mit den Boxtrainings-Szenen am Anfang zumindest eine Erinnerung daran gegeben wurde, dass es den Simulator gibt, diese Möglichkeit also besteht. Aber wer rechnet denn damit, dass jemand sein Gedächtnis löscht, bevor er bzw. sie den Simulator betritt und man als Zuschauer nichts davon erfährt?

Wie als wäre es jemand komplett fremdes, steht Isaac auf einmal hinter Alara. Nachdem sie beim Durchsuchen des Schiffes im Maschinenraum ankam. Seine hellblau leuchtenden Elemente scheinen aus der Dunkelheit hervor. Er ist wie ein Helfer, den sie sich herbeigewünscht hat, damit sie nicht mehr allein sein muss. Und sie verlässt sich darauf, dass er ihr hilft. Seine Anwesenheit spendet ihr zuerst Erleichterung und Hoffnung. Bis er sich als der eigentliche Gegner in diesem Spiel offenbart.

Isaac und Alara Kitan allein auf der Orville
Was hat Isaac mit Alara vor?

Im Gespräche kommt Alara zu dem Schluss, dass Isaac diese Kreatur ist, die hinter allem steckt. Was im Grunde auch stimmt, weil er das Programm zum Großteil entworfen hat. Man muss hierbei noch etwas beachten. Nämlich, dass es sich um die zehnte Episode handelt. Der Zuschauer könnte sogar zu dem Schluss kommen, dass es sich hierbei bereits um ein Staffelfinale handelt, in welchem einige gravierende Änderungen und Umbrüche passieren könnten. Wie z. B. dass Isaac sich als böse herausstellt und von Anfang an eigentlich nur das Ziel hatte, die Crew der Orville zu töten. Eventuell nachdem er genügend Informationen gesammelt hat. Es würde alles zusammenpassen – Die Kaylon als Spezies, die organisches Leben für minderwertig ansieht und die Unerklärlichkeit der bisherigen Phänomene die man möglicherweise durch Technologien hervorrufen könnte, die der Union zwar unbekannt sind, den Kaylon aber nicht. Wenn man hier nicht auf diese eine Möglichkeit kommt, könnte man sich wirklich alles mögliche ausmalen. Wenn man kreativ ist. Man stelle sich nur vor, während des ersten Anschauens dieser Episode wird man unterbrochen bevor sich alles auflöst. Und man hat somit Zeit, sich zu fragen, wie es weiter geht.

Einen moment nachdem Alara dahintergekommen zu sein scheint, greift Isaac sie an und schlägt mit Eisenstangen auf sie ein. Nachdem sie ihn einmal niedergeschlagen hat, taucht er erneut auf. Dabei wirkt es so als wenn ein anderer Isaac aus der entgegengesetzten Richtung kommt. Es könnte sein dass es sich um einen anderen Kaylon als Isaac handelt. Wenn es sich bei dem ganzen um einen Angriff der Kaylon gegen die Union handelt, wäre das plausibel. Der Feuersturm könnte z. B. irgendeine Waffe sein, die die Kaylon gegen die Orville eingesetzt haben. Auch wenn man weiß, dass es nicht wirklich passiert ist, möchte man gerne wissen, was Isaacs Plan gewesen sein könnte.

Alara Kitan im Shuttle
Letzte Schritte zum Verlassen der Simulation

Wenn die Zeit aber überhaupt ausgereicht hat, um im Zuschauer solche Theorien aufkommen zu lassen, werden sie an dem Punkt zerstört wo das erste mal wieder der Captain und seine Leute gezeigt werden, die Alara beobachten, wie sie Schritt für Schritt das Programm absolviert. Das „Spielziel“ des Programmes ist ganz einfach das Shuttle zu starten und die Orville zurückzulassen, weil es keinen Ausweg gibt.

Der Hangar der Orville brennt
Das letzte Hindernis

Alara soll also auch lernen im Krisenfall die eigenen Leute notfalls sterben zu lassen, oder trotz deren Tod weiterzumachen. Eben auch so etwas ähnliches wie der Kobayashi-Maru-Test. Es gibt keinen Weg, die Orville oder die Crew zu retten, weil alles bereits verloren ist. Sie muss ganz am Ende einfach nur mit dem Shuttle aus dem Hangar herausfliegen. Dazu muss sie aber durch eine Wand aus Feuer hindurchmanövrieren. Es geht also final auch noch darum, diese Angst, die am Anfang scheinbar das ganze Problem überhaupt erst verursacht hat, zu bekämpfen. Nachdem in dieser Simulation auch einige andere Ängste behandelt wurden. Die Simulation endet, nachdem Alara zusah wie die Orville im Feuersturm zerstört wurde.

Erwachen aus dem Feuersturm

Das Szenario „Ich befinde mich ich ohne es zu wissen in einer Simulation“ ist eigentlich das gleiche wie ein Traum.

Das Gefühl, welches dann beim Verlassen der Simulation entsteht muss in etwa das sein wie wenn man aus einem sehr real scheinenden Alptraum erwacht, in dem einem lebensverändernde Dinge widerfahren sind. Meistens hat man keine so bewusste Wahrnehmung in einem Traum, dass das möglich ist. Das Gefühl kennen viele vielleicht nicht. Ihr müsst euch nur vorstellen wie es wäre jetzt in diesem Moment nichts ahnend auf einmal aufzuwachen. Das ist schwer vorstellbar ohne einmal etwas vergleichbares erlebt zu haben. So etwas kommt nur zustande wenn man im Traum längere Zeit verbracht hatte und sogar aktiv Gedanken nachgehen konnte wie es in der absurden Situation jetzt weitergehen soll. Und das trotzdem ohne dass man Kenntnis davon hat dass man träumt. Und auch ganz gleich wie diese Situation aussehen mag, denn im Traum passieren ja die absurdesten Dinge, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Genau wie sich auch keine Erklärung für die Ereignisse in der Simulation finden ließen. Sie müssen keinen physikalischen Sinn ergeben denn sie sind ja wie Ereignisse aus einem Traum nur Teil einer Simulation.

Vielleicht fühlt man sich bei so etwas von sich selbst hereingelegt. Egal ob im Traum schlimme oder seltsame Dinge passiert sind. Man fragt sich, warum der eigene Geist so etwas mit einem macht. Dem Zuschauer mussten für ein besseres Erlebnis mit dieser Episode Informationen vorenthalten werden, damit dieser zuerst auch denkt, dass alles echt ist.

Auch Alara hat sich ja sozusagen selbst hereingelegt. Wie in einem Traum, in dem man geistig Fähigkeiten und Verhalten trainiert oder sich Ängsten stellen muss, ohne sich dem bewusst zu sein, musste ihr auch das Gedächtnis gelöscht werden, damit sie alles als real auffasst und der Test tatsächlich Wirkung zeigt. In einem Traum hat man eine getrübte Wahrnehmung und erkennt selbst die absurdesten Dinge nicht als Anzeichen dafür dass man sich nicht in der Realität befindet.

In Alpträumen werden manche Menschen mit Ängsten aus dem Unterbewusstsein konfrontiert. Die Ängste können dadurch manifestiert oder geschwächt werden, je nach dem, ob die Träume gut oder schlecht verlaufen. Genau den Zweck hatte die Simulation.

Wenn Träume, wie von manchen Wissenschaftlern vermutet, teilweise tatsächlich dazu dienen, dass wir uns auf bestimmte Situationen einstellen, heißt das, dass unser Geist unsere eigene Wahrnehmung und unseren eigenen Verstand trübt, damit wir die von uns selbst simulierten Erlebnisse als echt wahrnehmen, anstatt sie als Simulation zu durchschauen. Man hat in einem Traum auch keine Erinnerung daran, wie man in diese Situation gelangt ist oder dass man zuvor eingeschlafen ist.

Was wäre passiert wenn Alara das ganze trotz fehlender Erinnerung irgendwie durchschaut hätte? Hätte sie einfach testweise einen Befehl für den Computer aussprechen können um die Simulation zu beenden? Waren nur die anderen Crewmitglieder außer Stande, das Programm zu beenden oder wäre sie selbst dazu in der Lage gewesen wenn sie es denn versucht hätte? Wir haben dazu keine Infos, aber es klingt so am sinnvollsten. So besorgt wie Dr. Finn war könnte es sogar sein, dass sie in der Simulation hätte sterben können. Immerhin hatte sie echte Verletzungen. Sie blutet nämlich auch immer noch aus mehreren Wunden nachdem die Simulation zu ende war.

Auch wenn das womöglich völlig wahnsinnig und unverantwortlich war. Es erweckt nur noch mehr Sympatie für Alara. Am Ende ist die gesamte Aktion ein voller Erfolg. Feuersturm ist ganz großes Kino und eine grandiose Episode in der Alara Kitan ihre eigene persönliche Entwicklung selbst vorangetrieben hat. Es ist buchstäblich ihre Episode. Immerhin gehören ca. 75% der Screentime ganz allein Ihr. Nämlich dann, wenn man ihre unechten Kollegen während der Simulation herausrechnet. Diesmal ging es nicht um das Erlernen von Führungsqualitäten mittels Praxiserfahrung in einer gefährlichen Mission, welche die eigentliche Handlung darstellt, sowie um Zusammenarbeit mit den anderen. Nein, es ist eine Stufe weiter. Es geht wirklich nur um Sie und ihr selbst auferlegtes Kobayashi Maru.

Eine Gemeinsamkeit zu Sondervorstellung ist, dass sie auch dieses mal ihre Karriere riskiert hat. Genau wie durch die Missachtung des Tabus des Calivon Raumes bzw. Handeln entgegen der Admiralität, riskiert man laut Captain Mercer auch durch die unsachgemäße Anwendung von Direktive 38 seine Karriere. Was er seiner Sicherheitschefin dieses mal aber ja noch durchgehen lässt, anstatt sie „hier und jetzt vor das Militärgericht“ zu zerren. Was letztendlich aber wieder die Synergie innerhalb dieser Crew zeigt. Es ist quasi die Revenge dafür dass Sie ihn in Episode zwei aus dem Zoo geholt hat anstatt zur Erde zurückzukehren.


Alara Kitan schläft am Ende der Episode Feuersturm ein
Alara hat ihr krassestes Erlebnis hinter sich

Feuersturm endet damit, dass Alara sich verabschiedet als wäre das alles ein völlig normaler Tag gewesen. „Also dann – bis Morgen!“ Dies und Alara die sich schlafen legt, wirft die Frage auf, was denn dann wohl Morgen wieder für völlig verrückte Dinge passieren werden. So wie es auf der Orville eben sein muss. Was auch immer es sein mag – ein neues fremdes Volk, eine noch seltsamere astronomische Anomalie oder sonstige Entdeckungen und Geschehnisse. Es ist das was wir sehen und am liebsten selbst erleben wollen. Und das alles nicht ohne dass man sich mit Aussicht in den Weltraum schlafen legen kann, und mit allem an Essen versorgen kann was man sich synthetisieren will, sowie alles an Unterhaltung genießen kann was es aus der Kulturdatenbank herunterzuladen gibt. Ja wir können sogar Programme im Simulator absolvieren, im Glauben, dass wir das wirklich gerade erleben. Mit diesen Gedanken wird man dann in den Abspann entlassen.


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