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The Orville – Alte Wunden | Review deutsch – Neue Heilung

Als Fan von The Orville bleibt einem nichts anderes übrig, als sich bis zur nächsten Staffel irgendwie mit den bisher veröffentlichten Folgen zu beschäftigen. Genau das soll in jeder Folgenbesprechung + Review für jeweils eine Folge der ersten Staffel von Seth MacFarlanes Science Fiction Serie geschehen.

Ich will erster Linie die Serie für sich selbst sprechen lassen, indem ich dokumentiere, was ich sehe. Beim schauen einer Folge bekommt man viele Dinge nicht mit oder kann das Außmaß gar nicht richtig fassen. Diese Review / Folgenbesprechung ist auch für solche unter euch, die alles wichtige aus einer Folge noch einmal vor Augen geführt bekommen wollen.
Ich halte es, nicht nur um etwas danach zu bewerten und zu kommentieren, für sinnvoll das gesehene zu umschreiben. Dazu kommt, dass einige Sprüche so random sind, dass man dazu eh nicht mehr viel sagen kann, außer dass man ggf. die Folge pausieren muss um sich davon zu erholen.

Das ganze enthält natürlich meine Sichtweisen und wie ich jede einzelne Szene wahrgenommen habe. Ich werde daraufhin meine weiterführenden Gedanken dazu äußern. Beispielsweise finde ich es immer sehr interessant den Bezug zu Star Trek zu ziehen oder herauszuarbeiten, warum ein Dialog oder eine Szene lustig wirkt, oder lustiger als man zunächst denkt. Denn Comedy ist ein zentrales Element in The Orville, was nicht zuletzt daran liegt, dass Seth MacFarlane schon lange Comedy gemacht hat. Seine bekanntesten Shows sind wohl Family Guy und Amarican Dad. Einige Anspielungen auf Family Guy wurden bereits identifiziert und ich werde mich bemühen, noch weitere zu finden. Wer die Möglichkeit hat (z.B. Amazon Prime), kann sich ja mal den Anfang von Family Guy Staffel 8 Episode 15 ansehen(bei Amazon ist es in Staffel 9, es ist die Episode „Der Durchbruch“). Seth MacFarlane wollte wahrscheinlich seit er Fan von Star Trek ist, eine Weltraumserie machen. Man findet in Family Guy auch ein paar mal Szenen, in denen Charaktere aus Star Trek in Form von Family-Guy-Zeichenstil-Figuren dargestellt werden, nicht zu vergessen das Star Wars Special.

The Orville ist vielleicht oder hoffentlich eine neue Heilung für die alten Wunden vieler Star Trek Fans, die dadurch entstanden sind, dass es lange nichts vergleichbares gab, und die schon immer die Dialoge mochten wenn etwa eine Person, die Emotionen empfindet, mit einer Person spricht, die das nicht kann – so z. B. wenn Geordi La Forge mit Data über das Konzept von Humor spricht oder die deassimilierte Borg Seven of Nine mit dem Menschlich sein konfrontiert wird, sich selbst als Borg aber als etwas viel besseres und effizienteres sieht. Für viele ist aktuell bestimmt auch Star Trek Discovery eine Enttäuschung und es werden Stimmen laut, The Orville sei besser als Discovery oder sogar „Das bessere Star Trek“. Und dieses Potenzial sehe ich durchaus. Schließlich steht The Orville noch ganz am Anfang und wird hoffentlich noch sehr viele Staffeln haben. Wenn wir Star Trek als Flucht in eine erdachte Welt und somit als eine art Heilung von den Wunden ansehen, die uns das Leben in einer noch nicht so weit entwickelten Welt beschert, kann The Orville das als neue Heilung(während Star Trek die „alte Heilung“ ist, auf die wir natürlich trotzdem immer noch Zugriff haben) heute möglicherweise noch besser. Denn es liegt nicht nur eine Science-Fiction vor, sondern auch eine Comedy, die uns erheitert. Genau so etwas wie Star Trek, nur in einer Welt mit viel humorfreudigeren Menschen, als man es von dem sonst eher förmlichen Umgangston aus einer gewohnten Star Trek Episode kennt. Auf der Orville sind nämlich Dinge wie unangebrachte Bemerkungen und Zwischenrufe an der Tagesordnung. Und das alles, ohne dass die Tiefgründigkeit der Themen, die behandelt werden, darunter leidet. Vielmehr profitiert der Comedy Aspekt davon, dass durch die Tiefgründigkeit und die originelle, ausgearbeitete Aufmachung eine seriöse Umgebung geschaffen wird. Darin wirkt nämlich jeder Gag um längen stärker, als wenn man diesen Anspruch, eine ordentliche Raumschiff-Serie zu sein, nicht vorliegen hätte. Das Raumschiff Orville hat sozusagen einen ähnlichen Effekt wie ein Büro (vielleicht wie in der Serie Stromberg) – böse Witze und seltsame Sprüche, die darin gemacht werden, haben einen stärkeren Effekt, als wenn sie in einem privaten Umfeld gemacht würden, da man am Arbeitsplatz einen entsprechend angemessenen Umgangston erwarten würde.

So viel vorweg zum gesamten Thema. Weiter abschweifen werde ich nicht, sondern ich lege los mit der Besprechung der ersten Folge „Alte Wunden“.


Als erstes bekommen wir bei einer harmonischen, ruhigen Version des Orville Hauptthemas das New York der Zukunft in 400 Jahren zu sehen –  Hochhäuser mit integrierter Vegetation und herumfliegende Transporter. Es gibt keine Umweltverschmutzung, die Luft ist klar, alles ist sauber und einladend. Dort kommt ein Jahr vor dem Beginn der eigentlichen Handlung Seth MacFarlane als Ed Mercer mit einem futuristischen Gefährt daheim bei sich und seiner Ehefrau Kelly Grayson an. Ja, der Captain der Orville hat den selben Nachnamen wie Peter Griffins Exfreundin Gretchen Mercer. Er erwischt seine Frau mit dem forensischen Archäologen Darulio im Bett. Um diesen Moment zu krönen, spritzt diesem Retepsianer eine blaue Flüssigkeit aus zwei Drüsen an seinem Kopf. Ich gebe zu Protokoll, dass gleich die erste Szene von The Orville intimen Kontakt zwischen verschiedenen Spezies beinhaltet. Genau das meine ich mit „Die Serie für sich selbst sprechen lassen“.

Seth MacFarlane setzt hier direkt in den ersten Sekunden der Serie die Grundlage, fortlaufend immer wieder Gags einzubauen, die auf der Beziehung zwischen dem Captain und dem ersten Offizier basieren. Außerdem stellt er bereits sehr früh klar, dass er sich nicht zurückhalten wird seinen Humor in sein Traumprojekt einzubauen und dass es in einer Weltraumserie komplett selbstverständlich ist, dass man mit Angehörigen einer anderen Spezies Geschlechtsverkehr hat und das auch als komplett normal ansieht. Das muss nichts artfremdes oder obszönes sein, es kann in der Zukunft genau so ein Standard sein, wie dass man heute auch mit dem gleichen Geschlecht verkehren kann ohne als pervers angesehen zu werden. Auf den Gedanken kommt man vielleicht gar nicht, wenn man es aus Star trek schon gewohnt ist, dass verschiedene Spezies sich teilweise zueinander hingezogen fühlen können und auch nachkommen zeugen können. Hier geht es aber darum, eine Seitensprung-Szene damit aufzuwerten, dass es sich nicht um einen anderen Menschen handelt sondern eindeutig um ein Alien, weshalb auch eine Spezies mit blauer Haut(und blauer Flüssigkeit!) gewählt wurde.

Ed ist sichtlich schockiert und mitgenommen. Er lässt sich von seiner Ehefrau, die etwas blaues Zeug im Gesicht hat, nichts sagen und verlässt das Apartment. Das war es auch schon mit der ersten Szene. Danach wird das Logo eingeblendet und wir werden in die Gegenwart übergeleitet. Das eigentliche Intro bekommen wir in der ersten Episode noch nicht zu sehen, deshalb wird darauf auch erst in der zweiten Folgenbesprechung eingegangen…

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In der Gegenwart betritt Ed die Zentrale der Union, dem Pendant zur vereinigten Föderation der Planeten aus Star Trek, um einen Admiral zu sprechen. Er trägt dabei wie ein Jahr zuvor die Uniform eines Führungsoffiziers – Hellblau, 3 silberne Streifen und mit dem Logo der Union. Admiral Halsey teilt ihm die USS Orville zu. Im Gespräch erwähnt er, dass Ed sechs mal verkatert zur Arbeit erschien. Ed ist auch nicht wirklich bei der Sache – er verwechselt Murmeln, die auf dem Tisch liegen, mit Pfefferminzbonbons. Die Orville benötigt neben Ed Mercer als Captain lediglich noch einen Steuermann und einen ersten Offizier alle anderen Crewmitglieder sind bereits eingeteilt worden.
Es folgt dadurch ein sehr winziger Crew-Zusammenstellungs-Plot, den man zwar hätte weglassen können, aber allein um der Tradition willen existiert er, was gut ist. So etwas gehört an den Anfang jeder Raumschiffserie, genauso wie auch in Piratenfilme hinein – Der Captain sucht sein gewünschtes Crewmitglied auf, um dieses zu überzeugen, mit an Bord zu kommen. In Star Trek: Raumschiff Voyager und Star Trek: Enterprise ist es so und auch in der Serie Raumschiff Gamestar wird diese Art des Plots am Anfang Parodiert. Noch besser macht es der Umstand, dass das gewünschte Crewmitglied zwar Qualifikation besitzt, aber es auch irgendein Problem mit ihm gibt:

„Ich weiß, dass es mit Gordon nicht leicht ist, aber wir wissen doch alle, dass niemand ein Raumschiff so fliegt wie er.“ – „Hat er nicht mal einen Penis auf den Hauptbildschirm von Außenposten T85 gemalt?“ – „Er hat andauernd welche gemalt und auf viele Dinge…“

Der Captain macht sich also auf, seinen Steuermann zu überzeugen, mit ihm auf die Orville zu kommen. Dieser kämpft gerad gegen einen Oger in einem Samuraidorf. Natürlich im Simulator, der genau das gleiche macht wie ein Holodeck. Gordon Malloy freut sich wie ein kleines Kind über die Nachricht und kommt sofort mit Ed mit, nachdem er den Oger besiegt und die Simulation beendet hat. Damit ist der winzige Crew-Zusammenstellungs-Plot auch schon vorbei.

Danach fliegen die beiden zu der Station im Orbit der Erde, wo die Orville andockt. Gordon Malloy trinkt dabei Bier und fliegt das Shuttle dabei fahrlässig. Er stellt sich entweder wirklich wie der größte Trottel an oder tut nur so, was eigentlich beides auf das gleich hinausläuft. Eigentlich kann er ja extrem gut Fliegen, wie wir nachher noch sehen werden. Aber er findet es auch toll, so zu tun, als würde er im angetrunkenen zustand ein Shuttle fliegen – sofern er nicht wirklich angetrunken war. So genau kann man es nicht erkennen. Nachdem wir die Orville das erste mal zu Gesicht bekommen, äußert er auch direkt seine kreative Idee, Flammen und ein regenbogenfarbenes Einhorn auf die Orville zu malen. Was natürlich im Widerspruch zu allem steht, was ein normaler Mensch beim Erblicken eines Raumschiffes denken oder sagen würde. Normal wäre ja, zu sagen und darüber zu staunen, wodurch sich das Schiff auszeichnet, wie hoch seine Geschwindigkeit ist und wie gut es Bewaffnet ist. Bereits vor seiner ersten Szene wurde ja im Dialog mit dem Admiral angedeutet, dass Gordon Malloy ein Trottel ist. In seiner ersten Szene könnte man ihn noch einfach als fröhlichen und begeisterten Menschen bezeichnen. In seiner zweiten Szene bestätigt sich jedoch, dass er ein Trottel ist. Die Union ist aber darauf angewiesen, diesen Kompromiss einzugehen, da er ja gleichzeitig ein Raumschiff so gut fliegt wie es sonst niemand kann.

Die Besatzung der Orville

Als nächstes stellt sich der Captain in einer standardisierten Captain-zu-Crew-Ansprache der gesamten Crew vor und lässt diese dann gehen, um nacheinander das erste mal mit seinen leitenden Offizieren zu sprechen, die natürlich die Hauptpersonen sind. Hierbei führt der Captain mit fast allen beteiligten bereits sehr starke Dialoge, die es in sich haben. Gehen wir sie der Reihe nach durch. Auch die Kommandostruktur ist an Star Trek orientiert und schafft eine altbekannte Art von Umfeld – Militärische Ränge und ein Team aus Brückenoffizieren mit einigen Funktionen, die durch die Farbe der Uniform zu erkennen sind.

Lt. Alara Kitan ist die Sicherheitsoffizierin. Sie ist auf der Orville das, was Natasha Yar und danach Lt. Worf auf der Enterprise oder der Vulkanier Tuvok auf der Voyager waren. Sie übernimmt auch, genauso wie in den Star Trek Serien, in denen es keine Kommunikationsoffiziere mehr gibt, zum Teil auch die Funktion die auf den älteren Enterprise Schiffen Lt. Uhura bzw. Ensing Hoshi Sato innehatten, da sie unter anderem alle eingehenden Transmissionen empfängt und durchstellt. Ihre Uniform ist als einzige rot, hat zwei silberne Streifen, die ihren Rang kennzeichnen, und ein Logo mit 3 übereinander liegenden Schwingen auf dem Umriss eines Schildes, das ihre Funktion als Sicherheitsoffizier kennzeichnet. Sie ist damit auf der Brücke auch die Ranghöchste nach dem ersten und dem zweiten Offizier der Führungsebene, welche direkt unter dem Captain stehen. Alara ist die jüngste Offizierin und dem entsprechend unerfahren, was sie auch so zugibt. Als Xelayanerin besitzt sie ein vielfaches der Kraft, die man ihr ansehen würde, was mit der hohen Gravitation auf ihrem Heimatplaneten begründet wird. Ihre Kraft ist sehr viel höher als man es von einigen Spezies bzw. Figuren aus Star Trek kennt. Vulkanier und Klingonen sind ca. drei mal so stark wie Menschen, weil sie einfach eine bessere Physiologie besitzen. Der Androide Lt. Commander Data und Seven of Nine als Borg sind aus „technischen Gründen“ noch stärker. Alara Kitan ist eine Übertreibung, also auch eine Form der Parodie zu diesen bisher bekannten nicht menschlichen Spezies und Figuren mit dementsprechend übermenschlichen Kräften. Sie kann mit Leichtigkeit Metall verbiegen, schätzungsweise 50 Kg schwere große Kisten tragen sowie ca. 25 Meter hoch und weit springen. Alles in allem sind Xelayaner vielleicht 10 bis 20 mal stärker als Menschen.

Der Navigator, der neben dem Steuermann Gordon Malloy auf der Brücke direkt vor dem Schirm sitzen wird, heißt John LaMarr. Der Captain versucht ihn für seine Qualifikationen zu loben, er erkundigt sich jedoch als erstes, ob es ok ist, auf der Brücke Limonade zu trinken.

Lt. Commander Bortus, der zweite Offizier ist Moclaner. Er trägt die gleiche Uniform wie Ed am Anfang der Folge, während dieser nun als Captain jeweils einen Silberstreifen mehr auf den Schultern hat. Bortus spricht mit dem Captain ohne jegliches Anzeichen irgendeiner Emotion. Seine Spezies ist eingeschlechtlich und absolut Männlich. Er versteht keinen Humor, keinen Sarkasmus und reagiert in der Regel auf jede Aussage genau so als wäre sie komplett ernst gemeint. Genau so wie man es aus Star Trek von Vulkaniern, Data, Seven of Nine und anderen Charakteren, die mit Emotionen und Humor nicht vertraut sind, kennt. Der humoristische Effekt wird bei Bortus immer auch zu einem großen Anteil durch den meist emotionslosen, neutralen und tiefen Tonfall erzeugt. Im ersten Dialog mit ihm redet der Captain im Gegensatz dazu gelassener und fröhlicher als mit allen anderen Crewmitgliedern in dieser Szene, damit ein möglichst hoher Kontrast und somit starker Dialog entsteht:

„Ihre gesamte Spezies ist Männlich, oder?“ – „Das ist korrekt, Sir.“ – „Dann gibt es wahrscheinlich nicht so oft Streit darüber, wer den Toilettensitz oben gelassen hat und sowas…“ – „Nein – Moclaner Urinieren nur einmal pro Jahr.“ – „Wirklich? Das ist… man, und ich muss mehrmals pro Nacht aufstehen.“ – „Das ist bedauerlich.“ 

Die Tatsache, dass die Eigenschaft der Moclaner, nur einmal pro Jahr Urinieren zu müssen, wahrscheinlich nur extra zur Aufwertung dieses Dialoges erfunden wurde, macht es noch besser. Es handelt sich um eine Eigenschaft, die in einer Science Fiction wahrscheinlich nie relevant wäre und deshalb normalerweise gar nicht erst erdacht worden wäre. Aber hier wird sie es, einfach um den Fakt in einen Dialog einfließen zu lassen.

Dr. Claire Finn ist die Ärztin und erste medizinische Offizierin der Orville. Ihre grüne Uniform hat ein medizinisches Logo: ein +. Sie scheint als einziger Mensch in der Kommandostruktur nicht komplett daneben drauf zu sein hat aber trotzdem auch gute Sprüche drauf:

„Sie haben angedeutet, dass ich für den Job vielleicht nicht die Eier habe.“ – „Ich bin ihre Ärztin Sir, und wenn mit ihren Eiern etwas nicht stimmt, finde ich es heraus.“

Der Wissenschaftsoffizier und Chefingenieur Isaac hat gar keine Uniform, da sein Körper aus Metall besteht. Er wird als künstliche Lebensform bezeichnet.

„Sind sie nicht alle sagenhaft Rassistisch?“ – „Mein Planet erachtet Menschen und andere Biologische Lebensformen als minderwertig, wenn sie das damit meinen.“ – „Ah, ist ja toll, danke!“ – „Gern geschehen!“

Keylonier wie er sehen sich als Intellektuell und Kulturell am höchsten entwickelt an. Als Star Trek Vergleich fällt mir dazu nur Datas „Bruder“ Lore ein, der ebenso das biologische Leben als „überholt“ und minderwertig ansieht. Der Charakter Isaac ist noch einmal ein tiefer Griff in die Sarkasmus-Kiste, den man nur Loben kann. Isaac wird ohne ein Anzeichen jeglicher Emotionen nicht davor zurückschrecken seine minderbemittelten und unterentwickelten Kollegen in perfekt verständlichen und gut artikulierten Sätzen – so dass es eine minderbemittelte Person auch versteht – zu beleidigen. Für ihn ist das nichts weiter als eine Tatsachenfeststellung. Sein Hauptanliegen auf der Orville ist das Studieren von menschlichem Verhalten.

Damit sind diese Dialoge beendet. In der nächsten Szene stellen sich Gordon und John gegenseitig als Trottel vor:

„Ich dachte, ich stell mich mal vor, da wir ja viel miteinander zu tun haben werden.“ – „Übersetzt, sie wollen sich vergewissern, dass ich kein Trottel bin“ – „So was in der Art.“ – „Hey, ich bin so ein Trottel – das ist schon peinlich.“ – „Ok, genau wie ich, das passt ja echt gut.“

Nachdem John Sympathie empfindet, weil er und Gordon beide Trottel sind und sie als Navigator und Steuermann ganz vorne auf der Brücke sitzen, ist er von Gordons übermäßiger Trotteligkeit kurz schockiert, als er ihm erzählt, er sei wegen eines Pornodrehs suspendiert worden, bis Gordon sagt, dass es ein Witz gewesen sei und sich stattdessen eine andere Geschichte ausdenkt. Wie ein Witz klang es aber nicht und man kann es Gordon durchaus zutrauen. Beide tragen die gleiche orange-rote Uniform und haben eine technische Funktion inne. Ihre Uniformen haben deshalb ein Symbol bestehend aus zwei Zahnrädern. Die Szene endet damit, dass Gordon an einem Stiefel aus seinem Gepäck riecht.

Jede Folge enthält immer eine Mission. Nach elf Minuten wird die Mission der ersten Folge erklärt. Es handelt sich um eine simple Kuriermission, in der Vorräte an eine Forschungsstation geliefert werden sollen. Also betritt Ed die Brücke wo die anderen eben vorgestellten Führungsoffiziere bereits ihre Stellung eingenommen haben um die Reise zu starten. Der Sitz neben Ed Mercer, der dem ersten Offizier gebührt, ist aber noch leer. Wir kennen noch nicht die gesamte Besatzung, aber der Admiral kündigte die Ankunft des ersten Offiziers bereits an. Sie verlassen mit dem Schiff die Raumstation – die emotionale Wirkung ist in den Gesichtern der Crewmitglieder, die dieses Ereignis nicht als belanglos betrachten, und an der überaus epischen Interpretation des Orville Hauptthemas zu erkennen, während John LaMarr sogar an seiner Limonade schlürft als wäre er im Kino. Er bewahrt das Getränk wie angewiesen unter den Geräten auf. Gordon setzt den Kurs und aktiviert den Quantenantrieb. Der Quantenantrieb besteht aus drei Triebwerken, die man so noch nirgends gesehen hat. Wir wissen nichts über die Technologie, mit der es fliegt und deswegen auch nicht, warum es so aussehen muss. Es hat damit jedoch einen komplett eigenen Stil und sieht weniger zerbrechlich aus als ein Raumschiff mit abstehenden Triebwerken/Warpgondeln. 

Der Captain, Bortus und Gordon sprechen über die Forschungsstation, zu der sie nun unterwegs sind. Gordon will wissen, ob es dort Bars oder Stripclubs gibt und Bortus sucht diese Informationen für ihn sehr schnell heraus, als hätte dies Relevanz für die Mission. Dabei kommt heraus, dass es auf Epsilon II weder Bars noch Stripclubs gibt. Anders als der Captain geht Bortus nicht davon aus, dass ihrer beider Kollege ein Trottel ist und deshalb solche dinge fragt.  Deshalb hat Bortus diese Information mit bestem Gewissen für Gordon recherchiert. Gordon macht das vielleicht um zu provozieren, oder sich einfach nur auffällig zu verhalten. Wie ein Klassenclown in der Schule, der bei der Planung der Klassenfahrt fragt, ob es am Zielort Stripclubs und Bars gibt, aber gleichzeitig irgendein Fach hat, in dem er extrem gut ist – wie Gordon der ein hervorragender Steuermann ist. Der Captain braucht ihn, ist aber auch genervt von Ihm.

Alara empfängt die Mitteilung, dass jetzt der erste Offizier bekannt ist und abgeholt werden muss. Als der Captain erfährt, wer es ist rennt er panisch in sein Quartier. Als wäre das nicht genug nutzt Seth MacFarlane, das Comedy-Genie die Einführung einer der Nebencharaktere, um den Nein-Nein-Nein-Nein-Marathon des Captains durch das Schiff noch einmal upzugraden. Auf einmal wird dem Zuschauer, während es eigentlich um etwas völlig anderes geht, beiläufig gezeigt, dass sich an Bord auch eine Lebensform befindet, die aus grünem Schleim besteht. Diese Art von Gag kann es nur in der ersten Folge geben, da sie auf der Überraschung beruhen und man in den nächsten Folgen die außerirdischen Charaktere ja bereits kennt. Wir haben jetzt bereits beiläufig erwähnt bekommen, dass Moclaner einmal im Jahr urinieren und jetzt, dass es Gelees gibt. Ein solcher ist der Ingenieur Yaphit. Aber zurück zum Captain. Dieser diskutiert, nachdem er in seinem Quartier ankam, mit Admiral Halsey. Er möchte irgendwie verhindern, dass seine Exfrau Kelly Grayson der erste Offizier sein wird. Eds Trauma von vor einem Jahr wird wieder aufgefrischt, aber für ihn gibt es erst einmal keinen Weg drum herum, mit Kelly als seiner ersten Offizierin klarzukommen.

„Das Kompatibilitätsprogramm für die Belegschaft hat gezeigt, dass sich die Fähigkeiten von ihnen beiden ergänzen.“ – „Tatsächlich? Kriegt ihr Kompatibilitätsprogramm auch blau aus einem weißen Lampenschirm raus?“

In der nächsten Szene gelangt Kelly auch von einer anderen Raumstation auf die Orville. Nachdem der Captain die Brücke wieder verlässt beginnt dort sofort der Tratsch um die beiden ranghöchsten, an welchem alle beteiligt sind. Gorden bezeichnet Kelly als „echtes Miststück“ und schließlich erhebt John die Angelegenheit zum „Thema“.
Währenddessen lässt Ed, schnaubend und widerwillig, Kelly in sein Büro. Es dauert nicht lange, da startet zwischen den beiden das angespannte Beziehungsgezicke. Kelly versucht sich zu entschuldigen während Ed sich verschlossen, vorwurfsvoll und sarkastisch abgeneigt gibt.

„Ich hab dich nicht darum gebeten. Du hast dich einfach zurückgezogen – ich wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte.“ – „Und dann bumst du Papa Schlumpf in unserem Bett – Das ist deine Art darauf zu reagieren.“

Dieses Herumgezetere ist schon ein Festmahl für sich, vielleicht etwas zu albern. Aber Seth MacFarlane kennt sich mit Comedy wunderbar aus und weiß, wie er diese Situation noch einmal steigern kann. Auf einmal erfolgt ein ganz kurzer Schnitt zur Brücke, wo die Brückenoffiziere das ganze mithören. Man weiß nicht, wer die Kommunikationsverbindung eingerichtet hat, aber die Idee kann nur von Malloy kommen, der ja anscheinend Kellys Ruf schmälern will und deshalb Alara dazu überredet hat, oder es selbst irgendwie eingerichtet hat. Am Ende der Diskussion gibt Kelly schließlich nach und kündigt an ihre Versetzung zu beantragen, damit Ed es nicht länger mit ihr aushalten muss. Das war wirklich ein sehr schönes und gut in Szene gesetztes erstes Gespräch zwischen Ed und Kelly im Dienst. Sehr unterhaltsam und demonstriert gleichzeitig das Verhältnis zwischen den beiden. Die Streitereien zwischen ihnen würden nie enden, wenn Kelly nicht möglichst bald von der Orville verschwindet – sie hassen sich gegenseitig.

Es folgt ein Dialog, der gewissermaßen auf Lt. Malloys Unfug auf der Brücke aufbaut. Er trifft, während er „gerade auf dem Weg zum Klo“ ist, auf Kelly, die Frau deren Gespräch zwischen ihr und ihrem Exmann er gerade eben zusammen mit allen anderen Offizieren mitgehört hat und die er in ihrer Abwesenheit als „echtes Miststück“ bezeichnet hat. Da Gordon und Ed Freunde sind kennt er Kelly noch von früher. Die beiden duzen sich erst und gehen danach ins förmliche Sie und Sir über. Außerdem versichert Malloy, dass er (als Steuermann der im Dienst Bier Trinkt und sich bei seinem Kollegen als Trottel vorstellt) „Profi“ sei und es ihm deshalb nichts ausmacht Befehle von ihr zu erhalten. Nur um danach das, was er eigentlich getan hat, umzudrehen und zu behaupten er hätte auf der Brücke „Die Weichen gestellt“ und erzählt, dass Kelly ein „Cooler Typ“ sei. Malloy macht sich fast in die Hosen durch das was er hier durch seinen Drang, ständig Blödsinn machen zu müssen, anstellt, während Kelly zu denken scheint, dass zwischen ihnen alles ok ist, da sie ihn sogar lobt:

„Das ist unglaublich generös von ihnen“ – „Ich stehe hinter ihnen, ich steh hinter ihnen… Erlaubnis, zu Pinkeln?“ – „Gewährt.“ – „Super… Hey, ich schlag gleich mal nach, was generös bedeutet.“ – „Sehr gut.“ – „Sehr gut. Ich meine… erstmal pinkeln gehen.“ – „Prioritäten!“ – „Ganz genau.“

Das ist übrigens bereits das zweite mal in der ersten Folge, dass das Thema Urin zur Sprache kommt.

Die Einführung der Hauptfiguren, die für die erste Folge natürlich notwendig war, ist jetzt, wo Kelly auch ihre ersten Dialoge hatte, so ziemlich zum Abschuss gelangt und die eigentliche Mission wird direkt beginnen. Die Stimmung ist entgegen dem von Malloy vorgetäuschtem „Weichen stellen“ auf der Brücke natürlich nicht entspannt, sondern es herrscht dicke Luft bis die Orville bei Epsilon II ankommt. Dort bittet sie die zuständige Person Dr. Aronow mittels Bildschirmübertragung auf die Oberfläche zu kommen.

Nachdem Bortus die Brücke übernimmt und John mit Gordon kurz über den Hund, der sich im Hintergrund die Eier geleckt hat, sprach, geht es auch weiter mit der ersten Außenmission der Orville. Dabei kommt kein Beamen zum Einsatz, alle Einsätze erfolgen mittels Shuttle. Der Captain, seine Exfrau (er stellt sie dem Wissenschaftler so vor und merkt auch an, dass sie laienhafte Schultermassagen mit piksenden Fingernägeln durchführen kann), Alara Kitan und die Ärztin betreten, jetzt auch mit Energiewaffen inklusive Halterungen und Gürtel ausgerüstet, die Oberfläche von Epsilon II. Der Leiter der Forschungsstation berichtet von einer Gefahr durch die Krill. Alle fünf betreten die Forschungsstation, die sich inmitten von erdähnlicher Vegetation befindet. Auch während ihr Shuttle den Orbit verlässt, sieht man die Erdähnlichkeit des Planeten. Andere Planeten in Science Fiction sind wirklich oft erdähnlich gehalten. Das liegt natürlich daran, dass als Drehort nur die Erde zur Verfügung steht(das muss man natürlich erstmal wissen). Begründet werden kann das damit, dass eine nicht lebensfeindliche Umgebung immer erdähnlich sein wird, oder vorher durch Terraforming erdähnlich gemacht werden muss. So etwas fragt aber keiner mehr. Star Trek hat eine beachtliche Vorarbeit geleistet, sodass jetzt durch das Abweichen von der Norm eine Faszination ausgelöst werden kann – Warum hat Xelayria eine viel höhere Gravitation während Epsilon II fast genau so schwer ist wie die Erde? Ich wünsche mir eine Folge, in der Xelayria bereist werden muss. Den Planeten dürften dann nur Alara und wahrscheinlich auch Isaac, dem Schwerkraft nichts ausmacht, betreten, während die Anderen auf der Orville bleiben müssten.

Das Außenteam der Orville geht durch das Botaniklabor, bekommt dabei von Dr. Aronow etwas zu den dort durchgeführten Forschungen erklärt und begegnet auch dem leitenden Botaniker der Station. Schließlich gibt der Doktor ihnen genmanipulierte Samen eines Mammutbaumes, die dort auf einem Labortisch liegen. Der Captain nimmt ein paar davon mit. Eigentlich will der Doktor ihnen aber etwas anderes zeigen. Sie gehen also weiter. Bevor Alara das Bild verlässt schaut sie den Wissenschaftler an, der an dem Tisch sitzt und würdigt ihn kurz eines abfälligen Blickes, während er es ihr fast zeitgenau gleich tut. Dieser Wissenschaftler hat in der Szene keine andere Funktion, außer am Mikroskop zu sitzen und am Ende diesen seltsamen Blickkontakt mit Alara zu haben. Ich habe mir die Szene bestimmt zehn mal angesehen aber konnte keine Bedeutung darin sehen…

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Dem Außenteam wird das eigentlich wichtige gezeigt, es geht um eine Maschine, die eine Quantenblase erzeugt, in der man die Zeit extrem schnell verlaufen lassen kann. Die Wissenschaftler demonstrieren es an einer verfaulenden Banane. Als Ed begreift, dass es sich nicht um einen „Anti-Bananen-Strahl“ handelt, sondern die Wissenschaftler mit der Zeit experimentieren, fragt er sofort nach ob es eine Möglichkeit gibt in die Vergangenheit zu reisen, weil er sich Hoffnungen macht, sich selbst davon abhalten zu können, Kelly in der Vergangenheit zu heiraten. Er fragt es auf eine beiläufigen Weise, um damit Kelly möglichst zu provozieren. Jedoch wendet sich die Art der Zeitreise nicht gegen die Prinzipien von Ursache und Wirkung. Das Gerät kann nur das Fortschreiten von Zeit beschleunigen. Man könne es sowohl als Waffe als auch positiv einsetzen. Während die Anwesenden darüber reden, erweist sich einer der Mitarbeiter der Station als Informant der Krill, zieht seine Waffe und bedroht die Gruppe. Die Wissenschaftlerin gerät in die Quantenblase und stirbt dabei an beschleunigtem Zeitverlauf. Der Krill-Informant nimmt die Ärztin, die die tote Wissenschaftlerin untersuchen will, als Geisel. Daraufhin trifft das Krillschiff, das er benachrichtigt hat, ein und entsendet Truppen zur Forschungsstation. Auf der Orville befürchtet Gordon Malloy einen Arbeitstag, der sich weiter in die Länge zieht. Der Überläufer verlangt vom Captain, die Gefechtsbereitschaft, die Bortus auf der Orville angeordnet hat, aufzuheben und zu erklären, dass die Krill in Frieden kommen. Captain Mercer soll antworten, er fängt an zu reden, aber weil ihm nichts einfällt, warum die Krill in friedlicher Absicht herkommen sollten, sagt Kelly einfach das was ihr einfällt:  Dass es eine Pizzaparty gibt. Als Gordon und John das hören, möchten sie von Bortus, dass er sie auch auf die Oberfläche lässt. Es kommt aber zu keiner Pizzaparty. Alara reißt ein Stück eines Metallgerüstes heraus, wirft es nach dem Überläufer, sodass dieser außer Gefecht gesetzt ist und sie ihn fesseln kann. Deswegen kann der Captain auch ausdrücklich durchgeben, dass es doch keine Pizzaparty gibt. Sein Team nimmt sich den Generator, der die temporale Anomalie erzeugen kann, um das Gerät vor den Krill in Sicherheit zu bringen.

Die Krill sind eine Menschenfeindliche Spezies. Vom historischen her vergleichbar mit den Klingonen, bevor deren Imperium Frieden mit der Förderation schloss. Ihre Rüstungen und das Aussehen erinnerten mich, vor allem wegen der Art der Waffen und Panzerung, eher etwas an die Hirogen, mit denen die Voyager einige male zu tun bekommen hat. Mit der Bezeichnung „Krill“ wurde ein Wort gewählt, das grammatikalisch nie angepasst werden muss. Genauso wie bei „Borg“ – es wird keine Mehrzahl oder ein Adjektiv gebildet. Vielleicht scheint das erst belanglos, aber es kann durchaus ein Stilmittel sein, um eine fremde Rasse noch fremdartiger darzustellen, denn wir sind es nicht gewohnt, nur ein einziges, unveränderliches Wort für ein Volk, eine Land oder eine Nation zu kennen.

Die 20 Krill Soldaten erreichen in zwei Shuttles die Station und stürmen sie schwer bewaffnet und gerüstet. Gleichzeitig beginnen sie den Angriff im Orbit. Das Krillschiff ist viel besser bewaffnet als das mittelgroße Unionsschiff, deshalb kann die Orville nur mithilfe von Malloys Flugkünsten überstehen. Keiner von den Hauptcharakteren kommt bei der Schießerei um und sie verschwinden durch einen Hinterausgang. Der Doktor soll zu seiner Sicherheit hinter Alara bleiben, aber weiß nicht, wer Alara ist, obwohl der Captain sie ihm vorhin vorgestellt hat…

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Durch den aus Stahl gefertigten Hinterausgang, den Lt. Kitan aus der ca. 50 cm dicken Betonmauer herausrammt, nachdem der Captain die Tür bereits etwas gelockert hat, gelangt das Team in den Innenhof der Station wo der zweite Krilltrupp das Feuer eröffnet. Damit das Gerät in Sicherheit ist, sendet der Captain den Lieutenant voraus. Sie nimmt das Gerät und springt damit aus dem Innenhof der Station heraus und landet so ungefähr 30 bis 50 Meter entfernt in der Nähe des Shuttles. Ihre schwächlichen Kollegen, die nicht so weit springen können, müssen durch das Wasserbecken der Station laufen und sich den Weg erst einmal frei schießen, während Alara das Shuttle bereits startbereit macht. Sie alle erreichen lebendig das Shuttle. Auch das Klischee der nicht sterbenden Hauptcharaktere kommt einem in den Sinn – vier Offiziere gegen 20 Krill und nur Krill sterben. Es wird aber nicht sehr ausgereizt. Erstens weil der Captain einmal verletzt wird und zweitens weil es nicht so etwas wie „Redshirts“ gibt. So nennt man unwichtige Crewmitglieder, die mit auf die Außenmission kommen, nur um zu sterben, damit der Feind nicht ungefährlich wirkt, aber gleichzeitig die wichtigen Figuren am Leben bleiben. Es gab hier aber keinen Grund, zusätzliche Crewman auf die Planetenoberfläche mitzunehmen, da vorher von der Krill-Bedrohung noch nicht die Rede war. Für eine spätere Folge würde ich es Seth MacFarlane zutrauen, dass er, um das Phänomen der Redshirts zu parodieren, ein Team aus etwa vier Offizieren und etwa drei bis sechs belanglosen Crewman auf eine gefährliche Mission schicken wird und nur die vier Offiziere überleben lässt. Die toten Crewmen wären wahrscheinlich wirklich Redshirts, da sie dann von Lt. Kitan angeführt würden und ebenfalls die roten Sicherheitsuniformen, nur ohne silberne Streifen, tragen würden. Man konnte in der Szene, wo der Captain sich der gesamten Besatzung vorstellt einige von ihnen sehen.

Der verwundete Captain, für den Dr. Finn leider keine Schmerzmittel dabei hat, und das Gerät müssen so schnell wie möglich auf die Orville gebracht werden. Irgendwie, vermutlich direkt nachdem er mit den anderen dort gelandet ist, ist einer der Krill unbemerkt an Bord des Shuttles gekommen. Er möchte das Gerät ausgehändigt bekommen. Der Captain verringert deshalb die Geschwindigkeit, damit der Krill gegen die Frontscheibe knallt, während die anderen von Ihren Sicherheitsgurten festgehalten werden. Die Schutzschilde der Orville sind mittlerweile auf null und ein Treffer des Krill-Zerstörers zerstört eines der Triebwerke. Ein Trümmerteil davon macht das Shuttle manövrierunfähig. Die Landung im Hangar funktioniert daher nicht. Gordon führt abermals ein kompliziertes Manöver durch, mit dem er den Hangar in die Fluglinie des Shuttles bringt, welches dann dort eine Bruchlandung macht. Trotz dieser Leistung erlaubt Bortus es dem talentierten Steuermann aber immer noch nicht, bei der Arbeit Shorts zu tragen. Sofort machen sich der Captain, seine Exfrau und Lt. Kitan auf den Weg zur Brücke, wo Bortus sein Kommando wieder abgibt.

Da sich das Gerät, das die Krill haben wollen, jetzt auf der Orville befindet, nimmt der Captain des Krillschiffes Kontakt auf. Allerdings steht er ziemlich am Rand des Bildschirmes. Deshalb bittet Ed den Krill-Anführer, etwas nach rechts zu rücken, damit er zentral auf dem Bildschirm zu sehen ist. Er erklärt dem Krill auch, dass er etwas abgelenkt ist, da er ja eine komplizierte Ehe hinter sich habe und seine Frau eine Affäre hatte. Daraufhin diskutieren Captain und erste Offizierin mit dem Kriegsgegner über das Thema Ehe und wie man damit umgehen sollte.

Sie zerstören das Krillschiff letztendlich, indem sie die Samen des Mammutbaumes, den sie eigentlich als Snack mitgenommen haben, mit dem Gerät kombinieren. Das Krillschiff wird von einem Mammutbaum, der in ein paar Sekunden so schnell wächst wie in 100 Jahren, zertrümmert. Gab es das schon mal in irgendeinem Film / irgendeiner Serie? Meistens zerstören die Raumschiffe immer die Bäume – dann, wenn eine Bruchlandung erfolgt. Da Kelly die Idee dazu hatte, merkt Gordon an, dass sie doch kein Miststück sein könnte und schließlich scheint sie sich durch einen völlig bekloppten Spruch ihren Ruf auf der Brücke wieder verbessert zu haben.

Die Orville wird repariert. Die Reparaturarbeiten stören das Gespräch zwischen Ed und Kelly. Sie bestätigt, dass sie einen Ersatz für den Posten des ersten Offiziers hat. Ed möchte aber auf einmal, dass Kelly doch nicht geht, weil sie als Offizierin einfach gut geeignet ist, da sie ja das Schiff gerettet hat. Also akzeptiert er sie jetzt doch auf rein beruflicher Basis als Commander Grayson auf der Orville.

Am Ende der Folge wird in einem Gespräch zwischen dem Admiral und dem Commander offenbart, dass Ed nur aufgrund einer Empfehlung von ihr zum Captain der Orville ernannt wurde.


Diese Folge genießt als Pilotfolge natürlich eine Art Sonderstatus. Wir müssen beachten, welcher Ersteindruck erzeugt wird und erzeugt werden soll. Ganz am Anfang bin ich auf so etwas schon einmal eingegangen. Es gibt da aber viel mehr zu beachten. Es fällt die Vorstellung der Handlungsorte (eigentlich gibt es hier ja nur die Orville) und der Charaktere zusammen mit der Art, als was diese neue Serie sich präsentiert.

The Orville baut natürlich sein eigenes Image auf anstatt zu kopieren. Personen werden nicht gebeamt, weshalb die Orville ein Shuttle verwendet, um eine Außenmission zu starten. Es werden keine Konzepte wie Warpantrieb übernommen, oder andere technische Begriffe wie Phaser und Trikorder. Die Technologien sind anders. So hat der Hangar der Orville auch ein Kraftfeld, das für feste Materie, nicht aber für Gase durchlässig ist. Die Ausrüstung der Crew finde ich viel schöner. Die Waffen sind optisch wesentlich ansprechender, als die Phaser aus Star Trek und für die Uniformen gilt das gleiche.

Die Orville – Das Symbol und der Handlungsort des gesamten Werkes – sehen wir das erste mal, während der Steuermann diese im vermeintlich angetrunkenen Zustand ansteuert und seine abwegigen Gestaltungsmöglichkeiten äußert. Dessen Trottelkollegen John LaMarrs erste Worte sind „Es läuft man, wie läufts bei ihnen“. Die beiden sind die, die das Schiff größtenteils steuern. Beide gut Qualifiziert aber scheinen teilweise komplette Trottel zu sein. Einer davon Trinkt sogar im Dienst und scheint das ganze mehr als Hobby zu sehen, als als Verantwortung. Am Anfang sagte der Admiral bereits „Wir müssen 3000 Schiffe bemannen und wir brauchen Captains“. Das heißt also, sogar Ed Mercer hat dieses Kommando nur, weil es keine andere Wahl gab. Dazu kommt die Empfehlung durch seine Exfrau. An Gordon Malloy hätte der Admiral gar nicht erst gedacht. Die Orville ist wohl eines der letzten Schiffe, das bemannt wird und daher scheint der Mangel an vernünftigem Personal, zu denen man Gordon und John nicht zählen kann, einen signifikanten Einfluss auf die Zusammenstellung der Crew zu haben. Darauf achtet man vielleicht nicht, aber die Infos sind da. Neben den Qualitäten, Fähigkeiten und Besonderheiten der Crewmitglieder soll der Fokus noch stark auf deren unvernünftigem Verhalten liegen. Die Serie braucht sowohl das eine als auch das Andere. Ohne Gordon Malloy wäre die Orville von den Krill zerstört worden. Er macht seine Aufgabe hervorragend und behält seinen eigenartigen Humor sogar in Extremsituationen. Ein ziemlich genialer Trottel ist er.

Der Captain und seine erste Offizierin sind als typisches, klischeehaftes zerstrittenes Paar eingeführt worden. Sie sind in der ersten Folge in der Regel entweder am herumdiskutieren oder versuchen sich gegenseitig durch irgendwelche Sprüche zu provozieren, egal ob das einen Kriegsgegner verärgern könnte, oder ob es die beiden sonst, z. B. gegenüber den Wissenschaftlern von Epsilon II, irgendwie unseriös wirken lassen könnte. Der Captain kann sich dadurch oft schlechter auf seine Aufgabe konzentrieren. Viele seiner teils gewitzten Aussagen basieren auf dem, was in seinem Kopf wegen der Anwesenheit seiner Exfrau vorgeht. Er muss immer wieder auf ihrer Anwesenheit herumreiten, weil er sie nicht bei sich haben will. Ihre Geschichte ist titelgebend für die erste Episode, da er sich auf den Seitensprung am Anfang und die damit zerstörte Ehe bezieht.

Alaras Fähigkeiten werden durch eine eingeschlagene Betonmauer und ihren 50 Meter Sprung demonstriert. Die anderen Außerirdischen Crewmitglieder wurden in ihren Grundzügen zwar vorgestellt, aber komplett kennen lernen tun wir sie noch nicht. Man bekommt bereits den fremdartigen Umgangston von Isaac und Lt. Commander Bortus etwas vorgeführt, aber während die erste Folge eher Ed und Kelly gebührt wird auf die anderen noch in späteren Folgen ein Fokus gelegt werden.

Die erste Mission könnte als unwichtig erscheinen, nur dazu da, um in der Pilotfolge überhaupt eine Mission zu haben. Am Anfang in der Kreation dieses Plots stand wahrscheinlich das Ziel, ein Raumschiff mit einem Mammutbaum zu zerstören – damit man etwas möglichst eigenartiges, einzigartiges für die erste Folge hat. Nötig sind dafür Genmanipulierte Samen und eine art Zeitmaschine. Zwei dinge die unmöglich scheinen. Wo könnte man beides davon finden? Auf einer Forschungsstation die sich auch mit Quantentechnologie und Botanik befasst. Und die Orville wird dort zunächst unter dem Vorwand einer langweiligen Mission hingebracht, auf der eh nichts passiert. Es bleibt also genügend Zeit, Captain Mercer mit seinen alten Wunden zu konfrontieren.  Letztendlich werden dann aber sogar schon in der ersten Folge die Hauptgegner vorgestellt, es gibt Kampfhandlungen und schließlich erfolgt für die Krill der „Tag des Baumes“. Ich fand das mit dem Baum zuerst sehr blöd, habe aber nicht begriffen, dass diese Serie alles darf. Selbst wenn es wirklich eine Pizzaparty gegeben hätte oder die Ankündigung der Pizzaparty von Bortus ernst genommen worden wäre, und er daraufhin LaMarr und Malloy auf die Oberfläche gelassen hätte, wäre das nur ein anderer, womöglich besserer Verlauf gewesen. Der Plot hätte nicht darunter gelitten und Bortus Art, Dinge ernst bzw. wörtlich zu nehmen wäre dadurch sehr gut dargestellt worden. Genau wie er es bei Malloys Frage nach den Stripclubs und Bars auf Epsilon II tat.

Die erste Episode stellt gut klar, worauf man sich einlässt. Es war nicht die erste Episode, die ich gesehen habe. Somit habe ich sie nicht komplett wie vorgesehen als Pilot erleben können. Wenn man aber darauf achtet, sind die Ersteindrücke, die vermittelt werden, stets sehr intelligent eingesetzt. Das Drama des Captains und seiner Offizierin, sein trotteliger Steuermann, die guten Sprüche mit denen sich die Crew vorstellt und schließlich die erste Mission – Alles fügt sich gut in das Gerüst der Pilotfolge einer Raumschiffserie ein. Dabei bekommt man die Witze und vor allem das unerwartete bzw. ungewohnte, wenn man es zum ersten mal sieht, nur so an den Kopf geworfen, wie es sein muss.


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